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Fotofestival: In Heidelberg wird im Kunstverein von verlorenen Bildern erzählt, in der Halle 02 ordnet Xaviera Simmons Plattenhüllen

Schwarzweiß-Fotografien glänzen

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Kaeppele

Es gibt keine Bilder mehr, sie sind fort, abgehängt, weggesperrt, werden nicht mehr benötigt. Die entstandenen Spuren dieses Wegnehmens von unerwünschten Gemälden werden wiederum in fotografischen Bildern festgehalten. Dramatischer und gleichzeitig stiller kann man das Thema "Absenzen" des dritten Fotofestivals Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg nicht beginnen, das im Heidelberger Kunstverein von allen Seiten beleuchtet wird. Die Leipzigerin Margarete Hoppe, Jahrgang 1981, griff als Thema die im Nachwendedeutschland nicht mehr opportune DDR-Malerei auf, aber auch die Umwandlung der abgeklopften Wände einstiger Monumentalmalerei durch Graffitis, dem globalen Zeichen für das Heute.

Das Fotofestival hat deutlich klarer als bisher auf die einzelnen musealen Orte zugeschnittene Unterpunkte des Hauptthemas "Images Recalled - Bilder auf Abruf" installiert. Hier, im Heidelberger Kunstverein, der ja seit der Leitung durch Johan Holten sein Profil auf ästhetisch anspruchsvolle und politisch relevante Kunst geschärft hat, ist die Abwesenheit von Bildern unter verschiedenen Vorzeichen ablesbar: Wenn etwa die Neuseeländerin Ann Shelton in ihren "Public Places" den nicht mehr vorhandenen Zeugnissen eines Verbrechens nachspürt und das Ergebnis spiegelt, greift sie das Verschwundene auf und schafft etwas Neues, wovon aber niemand weiß, was jetzt real, was richtig ist. Getoppt wird dieses Phänomen noch durch die Hängung: Die Abbildung im Katalog entspricht nicht der Realität in der Ausstellung! Unabsichtlich-witzig wird so das Thema Original und Abbild noch vertieft.

Originelle ästhetische Ansätze

Aber wirklich großartig sind die Arbeiten, die originelle ästhetische Ansätze finden für ihr Thema. Ganz im Zentrum stehen im Kunstverein die stillen Schwarzweiß-Fotografien der 1973 geborenen britischen Fotografin Clare Strand. Sie stellt sich die Frage der Abwesenheit von Bildern von der anderen Seite: Nicht das verschwundene Abbild der Realität interessiert sie, sondern das Erschaffen neuer Wirklichkeiten mit Hilfe esoterischer Techniken wie Aura-Fotografie oder der Kirlian-Methode. Letztere erzeugt mit Hilfe elektrischer Wechselfelder aus hoher Spannung Leuchterscheinungen an Objekten und bannt diese auf die fotografische Platte. Die wundersamen, leicht verschwommenen Bilder junger Menschen werden kombiniert mit scharfen Abbildungen der nach Kirlian eigentümlichen Objekte (wie etwa ein Schuh), die den Stellvertretercharakter von Fetischen aufweisen.

Neu dabei beim Fotofestival ist der Veranstaltungsort halle_02 in Heidelberg. Dort sind Fotos der afroamerikanischen Schallplattensammlerin Xaviera Simmons zu sehen, die auch als DJ tätig ist. Ihre Selbstporträts vor unterschiedlichen Landschaften verfremdet sie jeweils mit einem berühmten Plattencover der schwarzen Rock-, Pop- und Jazzgeschichte vor dem Gesicht; die Plattenhüllen ersetzen manchmal geradezu surreal passend ihren Kopf.





Mannheimer Morgen, 10. September 2009